Ausgewählte Artikel aus:
650 Jahre Stadt Euskirchen
1302 - 1952
Festschrift zum Stadtjubiläum



Kurt Böhner, Bonn
Aus der Vor- und Frühgeschichte des Euskirchener Landes



Die Beziehungen des Menschen zum Land sind nicht allein von der natürlichen Beschaffenheit des Landes - etwa der Bodenart und Form, den Wasserverhältnissen, dem Klima oder etwaigen Bodenschätzen - abhängig, sondern in gleicher Weise auch von dem Wert, den das Land jeweils für den Menschen in einer bestimmten historischen Situation gerade besitzt. Solche historischen Situationen können in kürzeren oder längeren Intervallen sich gänzlich ändern, und damit wechselt auch die Bedeutung eines Landes in gleichen Maß für den Menschen. Bestimmte weiterdauernde Formen der menschlichen Lebensführung bringen es mit sich, daß Gegenden für einen langen Zeitraum eine sich gleichbleibende Bedeutung behalten: So sind etwa seit dem Aufkommen des Ackerbaues die vorher weit weniger wertvollen fruchtbaren Ackerböden stets eine Lebensgrundlage des Menschen geblieben. Ähnlich verhält es sich mit einigen reichen Lagerstätten von Bodenschätzen, die immer wieder Menschen angezogen haben, seit diese es verstanden, sich solche Reichtümer nutzbar zu machen. Andere, nicht so lange währende historische Bedingungen haben einen schnellen Wechsel in der Wertschätzung eines Landes durch den Menschen bedingt: Denken wir etwa nur an die Bedeutung des früher so abgelegenen Eifelgrenzlandes während des letzten Krieges oder an den Dornröschenschlaf, in den einstmals hochbedeutsame Städte durch politische oder wirtschaftliche Veränderungen eines Tages verfallen konnten. So trennen sich in der Besiedlungsgeschichte einer Landschaft zweierlei historische Bedingungen voneinander: Jene langwährenden, die in der allgemeinen Kulturentwicklung der Menschen ihren Grund haben, und die weit kurzlebigeren, die aus den stets wechselnden Nöten und Bedürfnissen der einzelnen Generationen entspringen. Beide muß man zu erkennen trachten, wenn man sich bemüht, den Geschichtsablauf eines Siedlungsraumes in seiner Einmaligkeit recht zu begreifen.

Euskirchen liegt nahe am Südwestrand der niederrheinischen Bucht, die sich von hier aus fast eben nach Norden, Osten und Süden ausbreitet. Nicht weit südwestlich der Stadt laufen die letzten Eifelhöhen nach Nordosten hin aus. Über den Schottern, die der Rhein in die Bucht abgelagert hat, ist im Diluvium eine Lößdecke entstanden, die das die Stadt umgebende Land für den Ackerbau sehr geeignet macht. Diese landwirtschaftliche Nutzbarkeit wird noch erhöht durch das Klima und die kleinen Wasserläufe, welche das Land auf ihrem Weg von der Eifel zum Rhein durchziehen. Da das Euskirchener Gebiet durch das im Südwesten vorgelagerte Gebirge für die regenbringenden Winde im „Regenschatten“ liegt, gehört es zu den trockensten Räumen des Rheinlandes. Man hat daraus geschlossen, daß es wohl auch in vorgeschichtlicher Zeit nicht vom Wald bestanden war 1). All diese natürlichen Eigenschaften lassen unser Gebiet von dem Augenblick an für den Menschen anlockend erscheinen, als er seinen Lebensunterhalt nicht mehr durch die Jagd, sondern durch den Ackerbau gewinnt. Dieser Schritt, der zu den entscheidendsten in der Menschheitsgeschichte gehört, fällt bei uns in die sogenannte jüngere Steinzeit, welche etwa das 3. und den Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr. ausfüllt. Aus den unvorstellbar langen Zeiträumen der vorherliegenden älteren und mittleren Steinzeit mit ihren großen Klimaschwankungen fehlen bisher aus unserem Gebiet noch jegliche Funde. Man suchte damals vor allem Höhlen, z.B. die Kartsteinhöhle bei Eiserfey, zum Wohnen auf, doch sind auch Wohn- und Jagdplätze aus dem Flachland bekannt.


Funde der Frühzeit



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